GLEICHGEWICHT.

Ich bin nicht stehen geblieben. Ich habe gelernt, mich zu halten.

Das Gleichgewicht kam nicht leise. Es kam nicht als Lösung.
Es kam, als nichts mehr sicher war. Ich habe es nicht gesucht.
Ich habe es auch nicht gefunden. Es ist mir nicht begegnet, es ist geblieben.

Es entstand zwischen Schritten, zwischen Fallen und Wiederaufstehen,
zwischen dem Wunsch zu bleiben und der Notwendigkeit zu gehen.
Zwischen dem, was ich festhalten wollte, und dem, was mich längst losgelassen hatte.

Lange dachte ich, Gleichgewicht bedeutete Ruhe. Stillstand.
Ein Zustand ohne Bewegung. Aber mein Leben war nie still. Und ich auch nicht.

Heute weiß ich:
Gleichgewicht bedeutet nicht, dass nichts mehr wankt.
Es bedeutet, das Wanken auszuhalten. Nicht dagegen anzukämpfen.
Nicht sofort auszugleichen. Es bedeutet zu wissen, wo ich stehe,
wenn der Boden nachgibt.

Zu wissen, was mich trägt, auch wenn ich es nicht sehe.

Manchmal ist Gleichgewicht kein Gefühl. Sondern eine Entscheidung.
Ein leises Weitergehen. Nicht trotz der Unsicherheit, sondern mit ihr.
Und manchmal reicht genau das.